De Hogeweyk – Das Alzheimer-Dorf bei Amsterdam

Nur wenige Projekte haben in den letzten Jahren eine so lebhafte Diskussion ausgelöst wie das Alzheimer-Dorf De Hogeweyk. Verschiedene Gemeinden in Deutschland haben Überlegungen zur Realisierung eines ähnlichen Projektes angestellt. Im rheinland-pfälzischen Alzey steht bereits ein fertiges Konzept dafür.

Doch wie muss man sich ein solches Alzheimer-Dorf eigentlich vorstellen? Das Konzept für De Hogeweyk ist entstanden, als ein großes Pflegeheim aus baulichen Gründen abgerissen und durch eine neues Gebäude ersetzt werden musste. Die neue Einrichtung besteht nun nicht mehr aus einem großen mehrgeschossigen Wohnklotz, sondern aus kleineren Einzelhäusern, die um einen geschlossenen Innenhof herum angeordnet sind. Der Innenhof ist parkähnlich gestaltet, bietet Sitzgelegenheiten und ein großes Schachfeld, aber auch straßenähnliche Wege. Außerdem gibt es einen Marktplatz, einen Friseur, ein Café und einen kleinen Supermarkt.

Alle Bewohnerinnen und Bewohner von De Hogeweyk können sich in diesem großzügig gestalteten Hof frei bewegen und ein Stück Normalität erfahren, wenn sie beispielsweise im Supermarkt nach Bedarf einkaufen – ohne jedoch an der Kasse bezahlen zu müssen.

Nachteilig ist hingegen, dass sowohl De Hogeweyk als auch das geplante Demenz-Dorf in Alzey weit entfernt von größeren Städten liegen. Angehörige und Bekannte müssen weite Wege auf sich nehmen, und die Bewohner haben nicht die Möglichkeit, vertraute Orte wie z.B. die Kirche zu besuchen und dort Bekannte zu treffen.

Für einen Platz in De Hogeweyk werden monatlich 5.000 € berechnet. Diese Kosten übernimmt in den Niederlanden die Pflegeversicherung. Nur Zusatzangebote wie Kunstkurse und ähnliches müssen die Angehörigen bezahlen.

In jedem der kleinen Häuser leben sechs bis acht schwer demenzkranke Menschen zusammen und werden rund um die Uhr betreut.

Jedem Haus ist ein spezifischer Lebensstil zugeordnet, der verschiedenen Gewohnheiten in der niederländischen Gesellschaft entspricht. Da gibt es beispielsweise den „gehobenen Lebensstil“, zu dem feines Porzellangeschirr und klassische Musik gehört.

Es gibt auch einen häuslichen, einen kulturellen, einen handwerklichen und einen christlichen Lebensstil. Da viele Niederländer eine indonesische Abstammung haben, findet sich der indonesische Lebensstil. Die unterschiedliche Lebensgestaltung soll dazu beitragen, dass sich die Bewohner in De Hogeweyk möglichst heimisch fühlen. Vor der Aufnahme werden ausführliche Gespräche mit den Angehörigen geführt, um die richtige Umgebung für die neuen Bewohner zu finden.

Insgesamt leben 152 Demenzkranke in De Hogeweyk. Sie werden von 240 hauptamtlichen und 150 ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut. Besucher berichten, dass die Menschen, die dort leben, zufrieden und sogar glücklich wirken. Jammern und gedrückte Stimmung, wie in vielen Pflegeheimen zu erleben, seien in De Hogeweyk nicht zu finden.

 

Susanna Saxl
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., Berlin

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