Mit der Wahl Ihres Sitzplatzes können Sie durchaus Einfluss auf Ihre Karriere nehmen

Du bist, wo du sitzt. Meetings sind Minenfelder. Hierarchien, Intrigen und gruppendynamische Effekte bestimmen oftmals das Geschehen. Mehr als uns bewusst ist. Entsprechend versuchen Wissenschaftler seit Jahren schon die Geheimnisse unserer Büromanieren und -marotten zu entschlüsseln.

Herausgekommen ist dabei allerlei Heiteres, Nachdenkliches und Nützliches. Aber auch viel Falsches.

  • Das Kopfende

    Hier pflegen die Chefs Platz zu nehmen – insbesondere, wenn Sie dabei die Wand im Rücken und die Tür im Blick haben. Notorische Zuspätkommer werden so sofort entlarvt, heimliche Davonschleicher aber auch. Umgekehrt ist der Platz mit dem Rücken zur Tür der statusniedrigste Ort. Wer dort sitzt, wird bei fehlenden Unterlagen gerne gebeten, sie mal eben zu holen. Ein Laufburschenjob.

  • Rechte Flanke

    Nur im Sprichwort sitzt zur Rechten des Chefs automatisch seine rechte Hand. Eher nimmt dort ein eifriger Zustimmer und Schleimer Platz. Hier sucht er dann vor allem die Nähe zum Herrscher, um von dessen Aura und Gunst zu profitieren. Die Gruppe oder das Thema sind für ihn zweitrangig.

  • Linke Flanke

    Auch hier sucht jemand die Nähe zum Chef und drückt damit Verbundenheit aus. Die linke Seite deutet aber auf jemanden hin, der unabhängig bleiben und seine eigene Sicht behalten will. Zugleich dokumentiert diese Person ihren Machtanspruch, denn ihre Position ist die nächste zum Kopfende. Oft sitzt hier der Kronprinz.

  • Das Mittelfeld

    Dieser Platz ist perfekt für alle, die mit den Kollegen Blickkontakt halten, aber auch gesehen werden wollen. Entsprechend sitzen hier häufig Extrovertierte, aber auch Moderatoren, die zwischen beiden Tischseiten vermitteln. Ungünstig ist dieser Platz erst, wenn jemand dabei gegen das Fenster schauen und andere Teilnehmer deshalb im Gegenlicht anblinzeln muss. So geblendet gerät seine Erscheinung leicht ins Zwielicht, er wirkt irritiert und unsicher.

  • Die Ecke

    Wo die Tischmitte eine Bühne bietet, ist die Außenposition der bessere Ort für Kollegen, die sich lieber in der Gruppe verstecken, die Introvertierten. Hier lehnen sie sich zurück, beobachten, hören zu, warten ab. Das muss kein Handicap sein. Oft sagen die Eckensitzer wenig, aber was sie sagen, ist dafür durchdacht. Nicht selten hocken hier Analytiker ohne größeren Führungsanspruch.

  • Der Gegenpol

    Was für die Wurst gilt, trifft auch auf Sitzungstische zu: Sie haben zwei Enden. Und dem Boss gegenüber platzieren sich meist seine ärgsten Kritiker. Sie bilden damit nicht nur ein verortetes Gegengewicht, sondern machen ebenso deutlich: Sie haben einen ähnlich großen Überblick wie der Chef – nur seitenverkehrt und mit weniger Macht.

  • Der Restposten

    Im Grunde sitzt dieser Meetingteilnehmer gar nicht am Tisch, sondern daneben oder dahinter. Im günstigsten Fall verrät das jemanden, der das große Ganze im Blick behalten will und nach einer übergeordneten Perspektive strebt. Im anderen hockt dort jemand, der zu spät gekommen ist und einen Platz von der Rundenresterampe nehmen musste. So oder so: Wer hier sitzt, ist sicher nicht die Alpha-Person in der Konferenz.

Autoritäre Chefs, die zum Beispiel vom Kopfende zur Mitte des Tisches rücken, wirken automatisch volksnäher. Rutscht der smarte Analytiker wiederum aus seiner stillen Ecke zur Linken des Chefs, steigt sein Status unmittelbar, und er wird stärker als Co-Manager wahrgenommen.

Wie sitzen Sie gerade? Also wirklich gerade, aufrecht – oder eher gekrümmt und eingefallen? Wie Sie sitzen, kann entscheidenden Einfluss auf Ihr Selbstwertgefühlhaben. Oder anders formuliert: Wer aufrecht sitzt, empfindet sich selbst tatsächlich erhabener und ist stolzer auf seine Arbeit.

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