Vitamin D-Mangel steigert Demenz-Risiko

Ein internationales Forscherteam berichtet im Fachblatt „Neurology“, dass die bisher größte Studie ihrer Art einen engen Zusammenhang zwischen dem Vitamin D-Spiegel im Blut und dem Demenzrisiko bei älteren Menschen bestätigt. So war ein ausgeprägter Vitamin D-Mangel verbunden mit einer mehr als doppelt so großen Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz zu erkranken. Ob ein zu geringer Vitaminspiegel die Hirnerkrankung auch tatsächlich verursacht, ist zwar naheliegend, kann aber durch die Beobachtungsstudie nicht direkt nachgewiesen werden. Weitere Studien sollen deshalb untersuchen, inwiefern sich das Demenzrisiko durch eine verstärkte Vitamin D-Zufuhr auch wieder senken lasse.

„Die Ergebnisse haben uns überrascht: Der Zusammenhang zwischen einem geringen Vitamin D-Spiegel und dem Krankheitsrisiko war doppelt so stark, wie wir erwartet hatten“, berichtet David Llewellyn von der University of Exeter, ein Mitglied des Forscherteams. 1658 Menschen beteiligten sich an der Studie – Sie waren mindestens 65 Jahre alt und zeigten zu Beginn keine Anzeichen einer Demenz oder Gefäßerkrankung. Während einem Zeitraum von fünfeinhalb Jahren erkrankten 171 Personen an einer Demenz, 102 davon an Alzheimer. Erstellt wurde die Diagnose in jedem Einzelfall von einem Expertenteam aus Neurologen und Psychiatern unter Einbezug von Hirnscans.

Vitamin D kann aus drei möglichen Quellen stammen: aus der Eigenproduktion in der Haut mit Hilfe der UVB-Strahlung des Sonnenlichts, aus Lebensmitteln wie fettem Fisch oder aus Vitaminpräparaten. Bluttests ergaben, dass Testpersonen mit sehr geringem Vitamin D-Spiegel (weniger als 25 nmol/L oder 10 ng/ml) ein um 125 Prozent erhöhtes Risiko hatten, an irgendeiner Form der Demenz zu erkranken. Ein ähnlicher Wert ergab sich auch für die Alzheimer-Krankheit. Lag der Blutwert für das Vitamin etwas höher, zwischen 25 und 50 nmol/L, stieg das generelle Demenzrisiko um 53 Prozent und das Alzheimer-Risiko um 69 Prozent. Als Vergleich dienten diejenigen mit einem Blutspiegel von mehr als 50 nmol/L und minimalem Demenzrisiko. Andere Einflussfaktoren wie Alter, Schulabschluss, Körpergewicht, Geschlecht, Tabak- und Alkoholkonsum wurden bei der Auswertung berücksichtigt.

Eine mangelhafte Zufuhr von Vitamin D schädigt das Gehirn und begünstigt eine Demenz – so vermuten die Forscher. Nicht ausgeschlossen ist der Einfluss anderer, noch unbekannter Faktoren. Eine umgekehrte Ursache-Wirkung-Beziehung wäre ebenfalls denkbar: Die Erkrankung an Demenz selbst könnte zu einem Absinken des Vitamin D-Spiegels führen. Denn demente Menschen, die sich möglicherweise weniger im Freien aufhalten und sich so nicht genügend lange dem Sonnenlicht aussetzen, bilden über die Haut entsprechend weniger Vitamin D. Da jedoch alle Probanden zu Beginn der Studie körperlich aktiv und noch ohne Demenzsymptome waren, halten die Autoren eine solche Erklärung für sehr unwahrscheinlich. Konkrete Hinweise gibt es dagegen darauf, dass das Vitamin für den Erhalt kognitiver Hirnleistungen relevant ist, indem es verhindert, dass Nervenzellen absterben. Um eine solche Schutzfunktion zu belegen sind neue Studien nötig. Geprüft werden soll, ob die Einnahme von Vitamin D-Präparaten eine Demenz verhindern oder verzögern kann.

Gerade im Winter kann der Vitamin D-Spiegel bei Menschen, die in der gemäßigten Zone der Erde leben, stark sinken, da die Haut zu wenig der Sonne ausgesetzt ist. Ließe die Fähigkeit zur Vitaminproduktion in der Haut mit fortschreitendem Alter generell nach, würde das den Vitaminmangel zusätzlich verstärken. Um die Vitamin D-Zufuhr durch die Ernährung zu verbessern, sollten häufig Fische wie Hering, Thunfisch, Lachs oder Sardinen auf dem Speiseplan stehen.

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